Von Öl auf Gas wechseln: Lohnt sich das wirklich?

Geschrieben von Jeroen van den Bos am 19. November 2019

Expertenartikel

Bislim Tahiri logoAlte Ölheizungen sind in vielen Fällen nicht mehr rentabel. Sie verbrauchen mehr Energie als notwendig, beanspruchen viel Platz im Keller und zu allem Übel stinken sie auch noch. Eine Sanierung und der Umstieg auf ein Gassystem scheint eine logische Verbesserung zu sein. Aber was muss man dabei alles beachten und regeln? Jede Menge! Und lohnt der Wechsel für Sie als Hauseigentümer auch wirklich? „Wenn ein zufriedener Kunde nach einem Jahr zu mir kommt und mir erzählt, dass er 50 % der Energiekosten eingespart hat, dann hat das auf jeden Fall gelohnt“, lacht Bislim Tahiri, Inhaber von Innovative SHK Technik Tahiri. Als erfahrener Heizungsexperte weiß er genau, welche Möglichkeiten es gibt und was beachtet werden muss. In diesem Artikel informiert er über den Ablauf, die Kosten und die Vorteile, die mit dem Wechsel von Öl auf Gas verbunden sind.

Jeder Brennstoff hat seinen eigenen Wirkungsgrad
Vielen Hauseigentümern, die Ihr Heizsystem erneuern möchten, stellt sich die Frage, welche Möglichkeit auf lange Sicht am günstigsten ist. Aus welchem Grund entscheiden viele Leute sich also dafür, von einem System mit Ölfeuerung auf eine Gasanlage umzusteigen? Herr Tahiri führt dies auf verschiedene Faktoren zurück. „Viele Heizsysteme mit Ölfeuerung sind schon jetzt nicht mehr die Jüngsten und werden ganz von selbst immer älter. Früher oder später kommt der Zeitpunkt, zu dem diese alten Anlagen nicht mehr wirtschaftlich sind. Sie funktionieren nicht mehr so effizient und das führt auf die Dauer zu unnötig hohen Brennstoffkosten. Ein neuer Öltank stellt jedoch eine hohe Investition dar. Genau zu diesem Zeitpunkt fragt der Eigentümer sich, ob es nicht sinnvoller ist, gleich auf Gas oder – wenn kein Erdgasanschluss möglich ist – auf Flüssiggas umzusteigen. Diese Entscheidung kann sich in vielen Fällen sehr günstig auf die Kosten auswirken. Jeder Brennstoff hat nämlich einen eigenen Wirkungsgrad und dieser ist bei Öl niedriger als bei (Flüssig-)Gas. Mit anderen Worten: Der Energieverbrauch sinkt. Außerdem verursacht Gas keine Geruchsbelästigung. Ganz im Gegensatz zu Öl, das schon als Medium an sich einen starken Geruch hat, den man überall im Haus wahrnimmt. Gas ist nun einmal sehr sauber und das hat viele Vorteile.“
 
Alles fängt mit einer guten Planung an

Wenn eine Anfrage für den Austausch einer Ölheizung gegen eine Gasheizung bei Herrn Tahiri eingeht, besucht er den Kunden und sieht sich die individuelle Situation vor Ort an. Als Heizungsinstallateur achtet er auf alle hinzukommenden Aspekte, zum Beispiel den Zustand des Hauses, eventuell notwendige Anpassungen oder Umbauten, die Leitungen, verschiedene Bedingungen, die ein Haus erfüllen muss, welches das optimale Heizsystem ist etc. Herr Tahiri erklärt Schritt für Schritt, was anschließend alles beachtet und geregelt werden muss. „Jedes Projekt hat im Prinzip denselben Ablauf. Es beginnt mit der Planung, dann folgt das Angebot, danach die Auftragsbestätigung und zu guter Letzt die Ausführung.“

Bislim Tahiri: „In der Planungsphase muss eine umfangreiche Liste mit Themen abgearbeitet werden. Der wichtigste Bestandteil dieser Phase ist die Erstellung einer Heizlastberechnung des Gebäudes. Mit anderen Worten: Wie viel Energie benötigt man, um das Haus einen Winter lang vernünftig auf eine angenehme Temperatur zu heizen und zugleich warmes Wasser zu produzieren? Das Ergebnis ist nämlich ausschlaggebend für die Größe eines neuen Tanks und der Anlage. Anschließend folgt die Überlegung, wer die alte Anlage wann entsorgt. Das muss fachgerecht erledigt werden, dazu braucht man einen anerkannten Betrieb, der über eine Lizenz zur Durchführung dieser Arbeiten verfügt. Auch die Standortfrage, also ob es ein unter- oder oberirdischer Tank werden soll, sowie die Frage nach der Leitungsführung werden in der Planungsphase geklärt. Ferner stehen noch einige kleinere Punkte auf der Liste, beispielsweise die Reinigung des Heizungskellers. Im Idealfall streicht der Eigentümer vorher noch. Das muss der Eigentümer entscheiden. Wir fragen ihn immer, was er selbst tun will und was wir für ihn übernehmen sollen. Es gibt auch Leute, denen es egal ist, wie der Heizungskeller aussieht. Wir übernehmen lediglich eine beratende Rolle. Insgesamt dauert es 3 bis 4 Wochen, bis diese Planung komplett erstellt ist und der Installateur sich ein vollständiges Bild gemacht hat. Erst dann kann er dem Kunden ein Angebot unterbreiten.“   

Für faire Arbeit bekommt man einen fairen Preis
„Im Schnitt beginnt ein Angebot für den Austausch einer Ölanlage gegen eine Flüssiggasanlage bei etwa 10.000 bis 12.000 Euro für die komplette Heizungsanlage. Dieser Betrag klingt zunächst vielleicht höher als man erwartet, es ist jedoch sehr wichtig, realistisch zu bleiben und keine falschen Erwartungen zu wecken. Für faire Arbeit bekommt man in unserem Land noch immer einen fairen Preis! Als Heizungsinstallateur baut man eine langfristige Beziehung mit seinen Kunden auf. Das ist etwas ganz anderes, als wenn jemand ein Produkt im Baumarkt kauft. Wenn das kaputtgeht, kann man wieder in den Baumarkt gehen und ein neues kaufen. Ihr Installateur hingegen löst Ihr Problem und kommt dann Jahr für Jahr wieder zu Ihnen. Wenn der Hauseigentümer das Angebot annimmt, folgt die Bestätigung. In dieser Bestätigung ist die Planung bis ins kleinste Detail ausgearbeitet.“
 
Koordinierung bis ins kleinste Detail
In der Auftragsbestätigung ist die vollständige Planung bis hin zur Ausführung detailliert ausgearbeitet. Es ist die Aufgabe des Installateurs, alle Tätigkeiten zu koordinieren und festzulegen. „Eine echte Herausforderung”, findet Herr Tahiri. „Es müssen nämlich viele verschiedene Parteien miteinander zusammenarbeiten. Zum Beispiel die Firma, die den alten Öltank demontiert und entsorgt, und das Unternehmen, das den neuen Gastank liefert und füllt. Das muss alles gut aufeinander abgestimmt werden. Auch der Hauseigentümer muss miteinbezogen werden, weil auch er Zeit haben muss, wenn die Ausführung beginnt.”
 
Die Ausführung: von der Demontage bis hin zur Prüfung
„Die tatsächliche Ausführung dauert höchstens eine Woche. Der Aufwand für den Kunden ist minimal. Nach der Überweisung braucht er eigentlich nichts mehr zu tun. Die Demontage der Ölanlage, die Montage der Gasanlage, das Aufstellen des Gastanks, die Leitungen etc., all das wird in dieser Woche erledigt. Wenn alles installiert ist, folgen die Inbetriebnahme und die Prüfung der Leitungsführung, und zwar gemäß den gültigen Normen. Zum Testen verwenden wir Spezialwerkzeug, das Fälschungen unmöglich macht. Für Privathäuser gilt die Prüfung 10 und das wird jedes Jahr mit einer Sichtprüfung gewartet. In Gewerbebetrieben gelten andere Anforderungen. Diesbezüglich verweisen wir auf den TRF.”
 
Die Öko-Lobby

pixabay groen huisAlte Heizsysteme erfüllen die Anforderungen der Standards für Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit nicht mehr. Der Umbau einer alten Ölanlage zu einer Gasheizung bietet auch aus ökologischer Sicht Vorteile. Insbesondere weil die Verbrennung von Gas besonders sauber ist und somit mit einer deutlich geringeren Schadstoffemission einhergeht. Doch hört man von der Öko-Lobby wenig zu diesem Thema. „Das stimmt”, bestätigt Herr Tahiri. „Immer mehr Menschen interessieren sich für regenerative Energie. Die Öko-Lobby ist jedoch klein. Die Diskussionen über CO2- und NOx-Emissionen haben zu einer höheren Nachfrage geführt. Auch, weil immer mehr Subventionen gewährt werden. Früher oder später müssen alle alten Ölanlagen gegen nachhaltigere Systeme ausgetauscht werden. In älteren Gebäuden kann man allerdings nicht ohne Weiteres auf ein System wie die Wärmepumpe umsteigen. Schließlich will jeder, dass sein Haus angenehm warm wird. Das hat Priorität. Und mit Fußbodenheizung schafft man das hier nicht. Die richtigen Informationen und eine gute Beratung sind hier unerlässlich. Das Zuführ-System ist von entscheidender Bedeutung und ein guter Installateur berechnet, was erforderlich ist, und berücksichtigt in den Optionen auch konventionelle Heizkörper. Ich persönlich mache direkt bei der Besichtigung eines Hauses einen hydraulischen Abgleich im Kopf. Das ist wichtig, wenn man dafür sorgen will, dass jeder Raum künftig angenehm geheizt wird. Und das führt uns wieder zum wichtigsten Bestandteil der Planung: der Feststellung der Heizlast. Eine kleine Anlage passt nicht in ein großes Haus und umgekehrt passt eine große Anlage auch nicht in ein kleines Haus. Jeder Umbau ist einzigartig und es gibt nichts von der Stange. Es ist die Aufgabe des Installateurs, dies dem Hauseigentümer zu erklären.” 

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Topics: Propan, Umstieg von Öl auf Gas, Vorteile von Flüssiggas

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